Camera and press card

Wie kommt mein Chor ins Gespräch? PR- und Pressearbeit für Chöre

Folge 3 der Serie „Mein Chor und ich“

Pressearbeit für Chöre

Wie kommt mein Chor ins Gespräch? PR- und Pressearbeit für Chöre

Wie funktioniert gute Pressearbeit? Wie lassen sich die Medien für den Chor begeistern? Wie gelingt es, sich von üblichen Feld-Wald-und-Wiesen-Berichten positiv abzuheben und damit auf sich aufmerksam zu machen? Unterm Strich lautet die Formel: mit klaren Botschaften, guten Argumenten für die Veröffentlichung, guten Texten und Bildern und vor allem mit viel Geduld. Eine gute Präsenz des Chores in der Presse und damit im Stadt- oder Ortsgespräch ist oft das Ergebnis kontinuierlicher, dezenter und professioneller Presse- und Öffentlichkeitsarbeit über Jahre hinweg.

Dieser Artikel erläutert einige Grundbegriffe aus Journalismus und Pressearbeit und gibt praktische Tipps zur Erstellung von gutem Pressematerial. Wer tiefer ins Thema einsteigen möchte, dem sei ein Workshop in Sachen Presse- und Öffentlichkeitsarbeit empfohlen – solche Angebote finden sich etwa bei der Volkshochschule oder bei manchen Chorverbänden. Ein lohnendes Unterfangen, denn je professioneller die Medienansprache, umso größer ist in der Regel die Resonanz. Abgesehen davon gilt auch hier: Die Praxis ist die beste Schule, nur Mut!

Singe Gutes und rede darüber!
Voraussetzungen für wirksame Pressearbeit

Bevor ein Chor damit beginnt, die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit neu aufzustellen oder wieder anzukurbeln, ist es wichtig, sich über einige grundsätzliche Dinge im Klaren zu sein und sich untereinander über Ausrichtung und Ziele der Pressearbeit abzustimmen. Wichtig ist vor allem eine realistische Einschätzung dessen, was sich damit für den Chor erreichen lässt. Nichts setzt den frisch gekürten Pressereferenten stärker unter Druck als die Erwartung eines brechend vollen Saals oder reihenweise neuer Mitsänger, sobald es gelungen ist, eine Ankündigung oder einen Vorbericht zum Jubiläumskonzert in der Lokalzeitung unterzubringen. Oft gelingt selbst das nicht, zumindest nicht gleich im ersten Anlauf. Dann heißt es nicht lange enttäuscht zu sein, sondern erst recht kreativ!

Eine gute Hilfe ist es, sich einmal selbst in den Redakteur hineinzuversetzen: Ist die Nachricht durch dessen Augen gesehen immer noch interessant genug für eine Veröffentlichung? Was wäre für Menschen lesenswert, die nicht mit dem Chorwesen verbandelt sind oder sogar selbst in einem Chor singen? Der größte Albtraum für Zeitungsredakteure sind 200-zeilige Nachberichte von der Jahreshauptversammlung mit dem detaillierten Bericht des Schriftführers, der das Jahr „Revue passieren“ ließ unter Aufzählung sämtlicher Grillfeste und Halbtagswanderungen mit Kaffeepausen… Eine Hauptversammlung ist nicht die wichtigste Veranstaltung eines Chores im Jahr, schon gar nicht für den Zeitungsleser. Wesentlich spannender sind Pressemitteilungen, die „echte“ Nachrichten enthalten: Interessante Konzertprogramme, ungewöhnliche Aktionen zur Werbung neuer Mitglieder, Kooperationen mit Schulen, Kindergärten oder anderen Kulturvereinen, Konzertprojekte an ungewöhnlichen Orten, ein neuer Dirigent oder auch ein Wechsel an der Spitze des Vorstands.
Ein Chor, der spannende Dinge singt und unternimmt, kommt verständlicherweise eher in die Zeitung (und damit ins Gespräch) als einer, der sich seit 30 Jahren nicht verändert hat. Pressearbeit gelingt am besten, wenn man sie in eine Gesamtstrategie für den Verein und seine Chöre einbettet, klare Ziele und Zielgruppen definiert und daraus die Öffentlichkeitsarbeit ableitet. So wird sie glaubhaft und überzeugend.

Wichtige Punkte, im Vorfeld zu klären:
Ansprechpartner

Unverzichtbar für den Aufbau guter Kontakte zur lokalen Presse und anderen Medien (z.B. lokale Veranstaltungsportale im Internet, Stadtmagazine, Gratis-Zeitungen oder auch lokale/regionale Radiosender) ist die Benennung eines festen Pressereferenten auf Seiten des Chores. Dass dieser gut erreichbar sein sollte, versteht sich von selbst – ebenso wie es selbstverständlich ist, dass ein Laienchorsänger tagsüber einer Arbeit nachgeht, dafür aber die Mailbox seines Mobiltelefons zeitnah abhört und mindestens einmal täglich seine E-Mails abruft. Die erste Aufgabe des Pressereferenten ist es, die zuständigen Ansprechpartner bei den Medien zu recherchieren, nach Möglichkeit mit persönlicher E-Mail-Adresse (erich.meier@zeitung.de statt info@zeitung.de) und Telefonnummer mit direkter Durchwahl. Achten Sie dabei auf die Gepflogenheiten des jeweiligen Verlages und respektieren Sie, wenn Sie sich anfangs mit einer zentralen Mail-Adresse oder Rufnummer begnügen müssen.
Die vollständigen Kontaktdaten des Ansprechpartners für die Presse („Pressekontakt“) gehören auf jede Pressemitteilung und unter jede E-Mail, und zwar mit Telefonnummer! Auch auf der Internetseite des Chores sollte man an gut auffindbarer Stelle (am besten auf der ersten Seite in der Rubrik „Presse“) verraten, dass der Chor einen Pressereferenten oder eine Pressereferentin hat. Dort reicht als Kontaktmöglichkeit eine E-Mail-Adresse, zur Abwehr von Spamprogrammen in der Schreibweise erika.mueller (at) superchor.de.

Zeitpunkt und Anlass

Für eine Kontaktaufnahme mit der Presse oder die Aussendung einer Pressemitteilung sollte es einen überzeugenden Anlass geben. Ganz wichtig ist die rechtzeitige Ankündigung von Veranstaltungen und Konzerten, bei der Tagespresse mindestens eine Woche vorher. Achten Sie immer auf die Aktualität! Die Nachricht, dass der Kammerchor Musterdorf seit Jahresanfang eine neue Dirigentin hat, ist keine Nachricht mehr, wenn sie erst Anfang Mai kommt. Hier wurde eine gute Gelegenheit für einen Pressebericht verschenkt! Spielt der Chor im Kulturleben am Ort eine gewisse Rolle oder hat er das Zeug dazu, kann es Erfolg haben, ein Interview mit dem Dirigenten oder dem Organisator eines besonderen Projekts vorzuschlagen. Für wirklich interessante Nachrichten oder Themenvorschläge, die unterhaltsamen Lesestoff versprechen, haben viele Journalisten ein offenes Ohr.

Vorsicht beim „Nachhaken“: Kaum ein Redakteur hat die Zeit, zu jeder Anfrage nach einer Veröffentlichung eine Antwortmail zu schreiben. Wer zu oft nachfragt, ob denn nun ein Bericht kommt und wann nun endlich und warum denn keiner gekommen ist, läuft Gefahr, als Nervensäge auf die rote Liste gesetzt zu werden….

Wie sieht gutes Pressematerial aus?

Gutes Pressematerial kann den Weg zur Veröffentlichung entscheidend ebnen. Grundsätzlich sollten Texte und Bilder mit genügend zeitlichem Vorlauf (nach dem idealen Zeitpunkt bei der Redaktion erkundigen), per E-Mail und möglichst direkt an den zuständigen Redakteur übermittelt werden. Bitte Bilder nicht über die „Einfügen“-Funktion in ein Word-Dokument einbinden! Der Redakteur muss das Bild wieder ausschneiden und separat abspeichern, was zusätzliche Zeit kostet. Außerdem haben eingefügte Bilder in den seltensten Fällen noch die für den Druck ausreichende Auflösung.
Es empfiehlt sich, Texte als offenes Text-Dokument zu senden. Eine Pressemitteilung sieht als grafisch gestaltetes PDF zwar schöner aus, kann aber beim „Umheben“ des Textes zur Bearbeitung in die Redaktionssoftware Probleme bereiten (Formatierungen müssen evtl. mühsam einzeln entfernt werden, Umlaute werden „zerschossen“ u.a.). Ein guter Weg ist, beide Versionen anzubieten – als gestaltetes PDF und als reines Text-Dokument.
Bemühen Sie sich um Sorgfalt! Niemand verlangt, dass Sie schreiben können wie ein ausgebildeter Redakteur oder PR-Texter. Klares und fehlerfreies Deutsch sowie vollständige Informationen sollten dagegen selbstverständlich sein. Lesen Sie sich den Text nach dem Schreiben laut vor und blicken Sie mit den Augen eines „normalen“ Zeitungslesers darauf. Fast immer lohnt es sich, den Text vor dem Abschicken noch einmal von einer zweiten Person prüfen zu lassen – vier Augen sehen immer mehr als zwei.

Wer? Was? Wann? Wo? – die Nachricht oder Meldung

Die Nachricht ist die wichtigste journalistische Darstellungsform und teilt eine Neuigkeit mit, die (im Idealfall) für den Leser von Interesse ist. Dabei beschränkt sie sich auf die grundlegenden Informationen, die in der Formel der so genannten 6 W-Fragen zusammengefasst sind: Wer? Wann? Wo? Was? Wie? Warum?
Eine gut aufgebaute Nachricht ist kurz und knackig, klar und deutlich formuliert sowie von hinten kürzbar. Das bedeutet, dass die vier wichtigsten W-Fragen direkt am Anfang beantwortet werden.
Alle weiteren Informationen befassen sich mit Details bzw. den näheren Umständen der Veranstaltung wie Programm, Leitung, Solisten, Benefizkonzert. Diese Inhalte gehören nicht mehr zum Kern der Nachricht. Da jedoch gerade das Programm für Kurzentschlossene oft der Auslöser ist, ein Konzert zu besuchen, sollten Informationen dazu nicht fehlen. Weitere wichtige Angaben sind ggf. der Eintrittspreis, Infos zum Ticket-Kauf sowie der Hinweis auf die Internetseite des Chores – auf der sich selbstredend gut auffindbar weitere Details zu der Veranstaltung befinden.

„2-Spalter mit 60 Zeilen“ – der klassische Zeitungsbericht

Auch bei längeren Berichten gilt es, die W-Fragen möglichst weit oben zu beantworten, so dass der Text von hinten kürzbar ist, ohne dass wesentliche Informationen verloren gehen. Ein Bericht enthält im Unterschied zur Nachricht ausführliche Hintergrundinformationen und gelegentlich auch Zitate von beteiligten Personen. Um nicht allzu trocken zu schreiben, kann man auch mit einem „farbigen“ Textelement beginnen – etwa mit der wichtigsten Neuigkeit, einem sinnlich-emotionalen Eindruck oder einem Zitat – und direkt danach die Basis-Informationen (Wer? Wann Wo? Was?) nachliefern. Was die Länge angeht, kann man sich an dem in Tageszeitungen häufig zu findenden „2-Spalter mit 60 Zeilen“ orientieren, der etwa 1.800 bis 2.000 Zeichen inklusive Leerzeichen umfasst. Längere Texte sollten mit der Redaktion abgesprochen werden und einen triftigen Grund haben.
Wie die Nachricht ist der Bericht klar strukturiert und sachlich, d.h. frei von subjektiven Meinungen und Wertungen. Der so genannte „Konzertbericht“, der häufig von einem dem Chor nahestehenden Autor (oder auch einem Chorsänger selbst) verfasst und bei der Zeitung eingereicht wird, ist eine gut gemeinte Mischform aus Bericht und Konzertkritik, schießt jedoch nicht selten übers Ziel hinaus. Zu erkennen ist er an Stilblüten wie „Feuerwerk der Chormusik“ oder auch dem „bunten Strauß beliebter Melodien“. Es folgen die leidenschaftliche Schilderung „begeisternder Gesangsdarbietungen“ und am Schluss „stehende Ovationen“… Solche Lobeshymnen wirken übertrieben und ungewollt komisch. Ebenso wenig wird die geschlossene Aufzählung sämtlicher Honoratioren, Ehrengäste oder Brezeln in der Pause vermisst werden, sofern sie nicht eine besondere Rolle gespielt haben.

Namen sollten immer mit Vor- und Zunamen genannt werden – also „Theobald Müller“ und „Hildegund Schmidt“ statt „Herr Müller“ und „Frau Schmidt“. Wer darüber hinaus in verständlichen, eher kurzen Sätzen schreibt und so oft es geht den Nominalstil vermeidet, (nicht „die Maßnahme der Neustrukturierung zur Durchführung gelangen lassen“), erfreut die Redakteurin und steigert die Chancen erheblich, dass der Bericht in der Zeitung veröffentlicht wird.

Gruppenbild in Dunkelgrau – zum Thema Chor-Fotos

Ein gutes Bild kann als „Hingucker“ große Wirkung auf einer Zeitungsseite oder einer Website entfalten, wobei die Betonung auf „gut“ liegt. Nicht viele Chorbilder machen wirklich Lust aufs Singen – was schade ist, denn alle PR- und Öffentlichkeitsarbeit verfolgt schließlich das Ziel, möglichst viele Menschen für das Singen im Chor zu begeistern. Daher finden Sie ergänzend hier zum Download einige grundlegende Tipps zum Thema Bildmaterial und Fotografie.

Hier geht es zum Download der Tipps zur Chor-Fotografie…


Hier geht es zum FORTE-Angebot für Chöre!


Autorin_EvaKrautter_lowresDie Autorin Eva Krautter leitete lange Zeit die Redaktion der Zeitschrift „Chorzeit“ des Deutschen Chorverbands in Berlin. Sie arbeitet heute als Musikjournalistin, Autorin und PR-Managerin in Frankfurt am Main.
In der nächsten Folge der Serie „Mein Chor und ich“ geht es um das Thema: „Wie wird unser Chor noch attraktiver? – Chormanagement mit Blick voraus“.


Bilder: thinkstockphotos.de Fotograf: Zoonar RF

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